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MYKORRHIZA – GEHEIMNISVOLLE VORGÄNGE IM UNTERGRUND

Wachstum & Stabilität sind keine Zufallsprodukte – im Wald und im Unternehmen

Ein Spaziergang im Wald – zwischen hoch aufragenden Bäumen, den weich federnden Waldboden unter den Füssen – so erholsam, diese Stille, diese Ruhe… wir haben ja keine Ahnung, was da direkt unter uns im im Untergrund abgeht: eine rege Kommunikation, ein unermüdlicher Informationsaustausch. Notrufe aus einer entfernten Ecke des Waldes lösen ein Hilfspaket aus, einzelne Veränderungen führen zu Anpassungen im Gesamtsystem, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Diese Kommunikation findet über die Mykorrhiza statt, der Verbindung der Baumwurzeln (Rhiza) mit dem feinen, kilometerlangen unterirdischen Pilzgeflecht (Myzel).

Baum und Pilz profitieren gleichermaßen von der Mykorrhiza, der Lebensgemeinschaft aus Pilzwurzeln und Baumwurzeln. Als Mykorrhiza wird eine Form der Symbiose von Pilzen und Pflanzen bezeichnet, bei der ein Pilz mit dem Feinwurzelsystem einer Pflanze in Kontakt ist. Dieses Mykorrhiza-Geflecht ist sowohl verantwortlich für den Austausch von Informationen und den Austausch von lebensnotwendigen Substanzen.

Sonderfall Fliegenpilz

Wir halten kurz inne auf unserem Waldspaziergang. Unser Blick fällt auf etwas leuchtend Rotes: ein Fliegenpilz – wunderschön, aber giftig. Könnte sich da jemand vergiften? Sollte man ihn deshalb zertreten?

Was wir nicht wissen: Der Fliegenpilz lebt in einer engen Partnerschaft mit Bäumen. Die Bäume versorgen den Pilz mit Traubenzucker aus der Photosynthese. Im Gegenzug erhalten sie Wasser und Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor. Verschwinden Fliegenpilze aus unseren Wäldern, sind zuerst ihre Partner-Bäume betroffen: Sie verlieren einen wichtigen Nährstoff- und Wasserlieferanten. Daneben sind Pilze mit ihrem riesigen unterirdischen Pilzgeflecht auch für die Bodenstabilität wichtig. Fazit: Was hier auf den ersten Blick eine Störung scheint, ist eine Bereicherung.

Ein wichtiges Erfolgselement eines gesunden, stabilen und wachsenden Waldes

Ein Wald und ein Unternehmen sind komplexe Organismen, bei denen Vieles sichtbar und klar ist und bei denen ebenso viel im Untergrund abläuft, unsichtbar ist, aber einen enormen Einfluss auf das äußere Bild haben. So kann sich ein gesunder und schöner Wald nur im besten Licht präsentieren, wenn der Nährboden intakt ist, wenn da der notwendige Austausch und die Symbiose zwischen den einzelnen Teilen des Organismus funktioniert – und – wenn das System Wald den giftigen Fliegenpilz als Bereicherung willkommen heißt und nicht als Störung wahrnimmt.

Der Fliegenpilz im Unternehmen

Wir alle kennen das klassische Beispiel: Wenn ein neuer Mitarbeiter in ein Unternehmen kommt, braucht es oft lange Zeit, bis er sich dazu gehörig fühlt. Weshalb ist das so? Er muss z.B. herausfinden, wie die Menschen untereinander verbunden sind, welche unsichtbaren Kommunikationskanäle existieren, wer wen unterstützt, wer wen bekämpft und wie das ganze soziale System des Unternehmens aufgebaut ist und funktioniert – welches ist die DNA des spezifischen Mykorrhiza-Geflechts in diesem Unternehmen. Und – wie geht man mit neuen Elementen um, die äußerlich und vom Hörensagen her störend, giftig oder gefährlich sind. Wie geht man mit Fliegenpilzen um?

Bekommen die richtigen und wichtigen Pflanzen und Pilze genügend Nahrung?

Ein gesunder Wald ist ein komplexes und vernetztes System. Wie auch ein Unternehmen. Bekommen die für das Wachstum und Überleben wichtigen Tele die volle Aufmerksamkeit, was passiert, wenn sich Schädlinge breit machen, funktioniert dann das Frühwarnsystem noch? Bekommen die jung heranwachsenden Bäume genügend Aufmerksamkeit und Nahrung oder werden sie gar als Konkurrenz wahrgenommen. Wie geht man mit fremd aussehenden, aber für das Gesamtsystem enorm wichtigen Elementen um. Wie ähnlich sich doch Waldsysteme und Unternehmenssysteme sind.

Mykorrhiza und Fliegenpilz – wichtige Größen für einen Transformations-Prozess

Jeder Transformations-Prozess beginnt naturgemäß mit einer systemisch basierten Analyse. Erst mit der feinen Erfassung des Sichtbaren und des Unsichtbaren und dem Aufzeigen der wichtigen und richtigen Abhängigkeiten entsteht ein ganzheitliches Bild und damit die Grundlage für zielgerichtete, wirkungsvolle und nachhaltige Transformations-Maßnahmen.

Fazit

Unternehmen sind wie Wälder komplexe und vielfältige Organismen. Erst wenn wir dieses Gesamtbild sichtbar machen, kennen wir die Einflussgrößen für Veränderung, für Wachstum und für Transformation. Setzen wir uns also vermehrt mit dem Nährboden auseinander und heißen hell leuchtende, anders riechende und anders denkende und vermeintlich giftige Elemente willkommen. Denn es geht nie nur um eine Spezies, sondern um die feine Abstimmung aller notwendigen Elemente.

Feedback, Anregungen, eigene Erfahrungen

Wir freuen uns, wenn Ihnen diese Geschichte gefallen hat und sie für Ihre Veränderungs-Prozesse Bestätigung oder neue Erkenntnisse gewonnen haben. Wir freuen uns auch, wenn Sie diese Geschichte in ihrem beruflichen Umfeld weiter verwenden und ganz besonders freuen wir uns, wenn Sie dabei auf die Quelle hinweisen. So kann ein vernetzter Dialog mit Change- und Transformation-Spezialisten entstehen.

Robert Müller

walter.leibundgut@transformconsult.ch

Walter Leibundgut

Robert MüllerMYKORRHIZA – GEHEIMNISVOLLE VORGÄNGE IM UNTERGRUND