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Wenn man nicht mehr weiss, was oben und unten ist. Spass, Spannung, Verunsicherung, Freude, Angst?

(Bildquelle: www.pexels.com)

Achterbahn – im Wechselbad der Situationen, Wahrnehmungen und Empfindungen

Es muss wohl so sein, dass sich die meisten Menschen freiwillig auf eine Höllenfahrt oder Berg- und Talfahrt mit einer Achterbahn begeben. Selten braucht es da Druck, Befehl oder Belohnungssysteme. Bei vielen Menschen gehört das zum Highlight beim Besuch eines Vergnügungsparks, andere Menschen wiederum wollen sich und anderen zeigen, dass sie mutig sind und etwas wagen. Und ein paar wenige werden aus Liebe zum Partner wohl oder übel mit guter Miene mitmachen.

Verschiedene neue Situationen und Empfindungen in schneller Abfolge

Achterbahn-Fahren ist ja eine Art Berg- und Talfahrt. Es geht rauf und runter. Große Anspannung und Vorfreude beim „Hochklettern“, rumblödeln, um die Angst zu verbergen, dann oben angekommen das Gefühl, nicht mehr in der Schiene zu sein und dann das unmittelbare und extrem schnelle Heruntersausen, gedopt durch extrem enge Kurven. Und dann unten angekommen, ein Siegeslächeln, das vielfach das schnelle Herzrasen überdeckt.

Achterbahn-Fahren und Transformations-Management – Parallelen?

Es gibt wirklich erstaunlich viele Parallelen zwischen Achterbahn und Transformation. Wenn auch die Fahrt bei der Transformation viel länger geht und die verschiedenen Stationen weiter auseinander liegen – siehe Grafik „Die Achterbahn der Transformation“. Und wie bei der Achterbahn ist die Begeisterung und die Bereitschaft für eine Transformation nur bei einem bestimmte Prozentsatz der Menschen vorhanden. In der Transformation betrifft das sowohl Führung wie Mitarbeiter. Weltweite Untersuchungen geben hier einen Wert von einem Drittel an.

Was unterscheidet Achterbahn und Transformation?

Solange das Angebot für Achterbahnen attraktiv genug ist und sich der Anbieter im Markt klar positioniert, sind diese Bahnen immer gefüllt und wahrscheinlich auch rentabel. Denn da gehen nur die hin, die das wollen. Ganz anders bei einer Transformation in einem Unternehmen. Ein Drittel der Belegschaft reicht nicht, um die gewünschten Veränderungen wirklich hinzukriegen. Es braucht alle Mitarbeiter. Hier sind Maßnahmen und vor allem die Führung stark gefordert.

Ist man automatisch ein Feigling, wenn man nicht auf die Achterbahn geht?

Kann durchaus sein, dass in einer Clique im Vergnügungspark ein Achterbahn-Verweigerer im Spass als Feigling bezeichnet wird. Gleichwohl ist und bleibt er ein geschätztes und verbundenes Mitglied der Clique. Genau so im Unternehmen. Nur allein aus der Tatsache, dass immerhin 2/3 einer Belegschaft eher neutral, zurückhalten bis kritisch und ablehnend gegenüber einer Transformation sind, lässt sich ja nicht schließen, dass 2/3 der Belegschaft Feiglinge oder Verweigerer sind. Was also ist der Zugang dafür, dass sich eine Mehrheit einer Belegschaft gleich zu Beginn der Reise auf den Prozess freut und diesen nicht aktiv oder passiv torpediert, sondern aktiv unterstützt?

In der Transformation zeigt sich, in welcher Form Führung verstanden wird

Wenn Kommunikation als „Hinwenden, Verstehen, Zuhören, Informieren, Begründen, Überzeugen“ verstanden wird, ist das eigentlich eine der Kernaufgaben der Führung im Alltag und ganz speziell in Transformations-Prozessen. Was also sind weitere wichtige Säulen in der Führungsarbeit in einem Transformations-Prozess ? Sinn vermitteln und Orientierung geben, kritische Haltungen ernst nehmen, Ängste und Widerstände gemeinsam angehen, Erfolge zelebrieren und Nutzen für Beteiligte aufzeigen und – ganz wichtig – Betroffene zu Beteiligten machen, in Projekte einbeziehen, mitgestalten lassen.

Führung ganz speziell in einem Transformations-Prozess muss also ein Zukunfts-Feuer entfachen, Begeisterung für die notwendigen Veränderungen kreieren, Kritik und Widerstände konstruktiv und lösungsorientiert behandeln, Nutzen und Gewinn aufzeigen und ein starkes WIR-Gefühl entwickeln – dann erst gibt es eine gemeinsame Fahrt.

Fazit

Mitarbeiter können Transformations-Prozesse wie eine unfreiwillige Fahrt auf der Achterbahn empfinden. Die Ablehnung für die Fahrt steigt mit der Unklarheit über Sinn und Orientierung, verstärkt sich beim Missverhältnis zwischen klarer Information und individueller Interpretation auf Grund fehlender Fakten und wird letztendlich ganz abgelehnt, wenn die Führung zwar am Schalthebel der Achterbahn sitzt, selbst aber nicht mit Freude und Begeisterung mitfährt. Richtig vorbereitet, richtig informiert, richtig trainiert, richtig ausgerüstet und gemeinsam kann eine Achterbahn-Fahrt durchaus große Freude machen und für alle Beteiligten ein Erfolgserlebnis sein.

Feedback, Anregungen, eigene Erfahrungen

Wir freuen uns, wenn Ihnen diese Geschichte gefallen hat und sie für Ihre Veränderungs-Prozesse Bestätigung oder neue Erkenntnisse gewonnen haben. Wir freuen uns auch, wenn Sie diese Geschichte in ihrem beruflichen Umfeld weiter verwenden und ganz besonders freuen wir uns, wenn Sie dabei auf die Quelle hinweisen. So kann ein vernetzter Dialog mit Change- und Transformation-Spezialisten entstehen.

Robert Müller

walter.leibundgut@transformconsult.ch

Walter Leibundgut

Robert MüllerWenn man nicht mehr weiss, was oben und unten ist. Spass, Spannung, Verunsicherung, Freude, Angst?